Das Buch:


Gläubig
oder klar denken?


Die Bibel im Widerspruch in sich und zum 21. Jahrhundert


- Derzeit ausschließlich bei Amazon erhältlich -

Nachfolgend 


- Kurzbeschreibung zum Inhalt -

- Wem könnte es gefallen? -

- Leseprobe -


Ein provokanter Buchtitel:

Wem wird es gefallen?

Ein provokantes Buch  mit einem noch provokanteren Titel.  Darauf geht das Interview "Fragen an den Autor" näher ein. 


Interessant ist das Buch vor allem für Menschen, die sich der Bibel und dem Klerus einmal von einer anderen Seite nähern wollen - von derjenigen, welche sie auf Glaubhaftigkeit, Logik, Schlüssigkeit und Folgerichtigkeit abgleicht (auch mit Blick auf die gelebte Praxis).

Jeder kennt Gläubige, bei denen  beim Thema Religion keine Rationalität zählt. Bei ihnen zählt Rationalität immer nur dann, wenn es um einen anderen als den eigenen Glauben geht. Diese Leser werden mit meinem Buch nichts anfangen können. Das Buch setzt Offenheit und den Willen voraus, sich unvoreingenommen (!) mit der Bibel auseinanderzusetzen. Es gibt nicht viele ernst zu nehmende Werke, die das tun.

Seien Sie gespannt - es lohnt sich!

"Gläubig oder klar denken?

Zum Inhalt:

- Nüchtern-reflektierende und hinterfragende Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Glauben", hier vor allem mit der Bibel. Dabei werden archaisch anmutende Lehrinhalte zitiert, welche bis heute Frauen-feindlichkeit und Obrigkeitsdenken des Klerus und konservativer Kirchenkreise begründen. Gleichzeitig finden sich Antworten zu denjenigen Entwicklungen, welche die Kirchen seit Jahren in den Schlagzeilen halten.


- Bei derartigem Hinschauen überrascht kaum die Feststellung, dass die Bibel ebenso wenig kompatibel ist mit modernen Verfassungen (auch nicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland) wie andere „Heilige Schriften“, z. B. der Koran. Dies betrifft nicht nur die Gleichstellung von Frauen ...
 
- Auch wenn das Schlussresümee durchaus versöhnlich ausfällt, ist das Werk für Gläubige doch ziemlich provokant. Gläubige (fromme Leser) müssen bei der Lektüre tapfer sein! 

- Leseprobe / Auszüge - 


Louis P. Ending
 

Gläubig oder klar denken?

Die Bibel im Widerspruch in sich und zum 21. Jahrhundert 

 

 
Auszüge aus dem 1. Kapitel „Mythos Bibel – Mythos Christentum“:
  

Macht Euch die Erde untertan! 

Es sind bereits die ersten Zeilen innerhalb der Bibel, welche die ihr zugesprochene Genialität vermissen lassen. Unter der Überschrift „Die Erschaffung der Welt“ erscheinen dort schon im ersten Abschnitt Instruktionen des JHWE (Gott), die im 21. Jahrhundert der Überarbeitung bedürfen: „… Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. (…) und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie (...) Und so geschah es.“ (Gen 1,26ff). Ergänzend hierzu heißt es in Psalm 8,7: „… Du hast ihn [den Menschen] als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt.“

Der Mensch nicht als Teil der Schöpfung, sondern als ihr Boss („Herrscher“). Beinahe 2000 Jahre lang war dies unbestritten; erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen ernsthafte Bedenken auf, ob dies so unkommentiert weiter stehen bleiben kann – als für eine immer größer werdende Zahl Menschen sichtbar wurde, dass sie auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen und einem labilen klimatischen Gleichgewicht leben.

Es waren zunächst Wissenschaftler, welche die in der Bibel angesprochene "Unterwerfung" der Erde unter den Menschen als „Wurzel der ökologischen Krise“ ansprachen und auch das jüdisch-christlich geprägte Denken der Menschen als Herrscher über die Schöpfung als Problem ausmachten, z.B. der US-Wissenschaftshistoriker Lynn White. In seinem Aufsatz „The historical roots of our ecological crisis“ (Vortrag 1966) führt er die ökologische Krise als Folge der Industriellen Revolution auf eine jüdisch-christliche Einstellung zurück. Insbesondere diese Diskussion bewirkte u.a. kirchlich-ökologische Aktivitäten ab den 1980er Jahren, zunächst in der orthodoxen Ostkirche insbesondere durch Patriarch Bartholomaios, später in der katholischen Kirche durch Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si’ von 2015. Wirklich diskutiert wurde darüber nur wenig; der Anteil von Gläubigen, die dies tatsächlich wahrgenommen hatten und nachhaltig in Erinnerung haben, dürfte nahe Null liegen.

Allerdings war nun deutlich, dass der biblische Auftrag im Widerspruch steht zur Erhaltung der Schöpfung und so nicht mehr unkommentiert bleiben kann, und es setzten die Diskussionen um die Bibel nachhaltiger als zuvor ein: „… mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie (…) alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin …“. Solche Aussagen verführen zur Annahme, dass der Mensch die Erde besitzt wie einen beliebigen Gegenstand, und dass er mit allem „… was auf der Erde kriecht (…) alles grüne Gewächs …“, nach Belieben umgehen kann, ohne irgendwelche Grenzen und Regeln. Dies bedurfte nun einer neuen Deutung und Illustration. Und flugs findet der amtliche Klerus die Schuld für die bisher ungenügende Sichtweise: Die Dolmetscher der Bibel haben unkorrekt übersetzt!

(…) Aber was ist das für ein Werk, das fast 2000 Jahre lang so fundamental eine falsche Lehre zuließ? „Macht euch die Erde untertan“ – wie oft wurde dieser Satz zitiert als Auftrag Gottes und auf diese Weise „missverstanden“? Wie lange (und immer noch) bedeutete er einen Freibrief, die Erde auszubeuten? Wie lange (und immer noch) hat der Mensch das Privileg, höchster Chef alles auf der Erde Geschaffenen zu sein, Herrscher über Tiere, mit denen er nach Belieben umgehen kann und zum Souverän über das Pflanzenreich, das er roden oder manipulieren darf, wie er will? Was ist das für ein Werk, das den Menschen nicht als Teil der Schöpfung einordnet, sondern als deren Boss?

Schon zu Beginn der Lektüre wird der Leser gewahr: Die „Heilige Schrift“ ist ein Buch, das (nicht nur, aber auch) einen Zeitgeist widerspiegelt, der in der Antike liegt, eine Zeit, in der es nur eine kleine Anzahl von Menschen gab, in der man von den Grenzen des Wachstums noch weit entfernt war, innerhalb derer man weder von Gentechnologie, Klimawandel, Plastikmüll, Verschmutzung der Weltmeere etc. wusste, noch davon, dass ein Zeitpunkt kommen wird, an dem die Menschheit die Zehn-Milliarden-Grenze anstrebt, alle dabei „Wohlstand“ suchend … Man sollte annehmen, dass ein vom allwissenden Gott inspiriertes Buch so geschrieben ist, dass es die Menschheit mit den Problemen des dritten Jahrtausends nicht allein lässt.

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Auszüge aus dem 2. Kapitel „Das Alte Testament … eine „volkstümliche Erzählung“?“:
 

Eine Geschichte von missratenen Ebenbildern und ungehorsamen Engeln 

  (…) Die gesamte Schilderung ist typisch für die antike Kultur: Es ist der Mann, der als erster „Mensch“ existierte. Eva als erste Frau wurde als „Hilfe“ aus ihm und für ihn erschaffen, erhielt durch ihn ihren Namen. Das patriarchalische Weltbild zieht sich durch die Bibel von Anfang an – es setzt sich im Neuen Testament fort und findet in den Paulusbriefen einen Höhepunkt. 
 

  • Es passt zum patriarchalischen Weltbild des Altertums, dass im Zusammenhang mit JHWH grundsätzlich „Gottvater“ und „der Herr“ gesprochen wird. Auch Jesus – angepasst an die damals fast allgemein vorherrschende Soziokultur – spricht später von seinem „Vater“. Es kam nicht infrage, dass JHWH weiblicher Natur oder keinem Geschlecht zuzurechnen ist. Selbstredend musste es später ein „Sohn“ sein, der Messias wird und die nach jüdischem Glauben Israel, nach christlichem Glauben und je nach Spielart allein die Christenheit oder die gesamte Menschheit „erlöst“.  
  • Wieso merkte der „Allwissende“ erst im Nachhinein, dass sein „Ebenbild“, Adam, nicht gern allein ist bzw. eine weibliche „Hilfe“ braucht? Und wieso benötigt der „Allmächtige“, der zuvor aus dem Nichts Himmel und Erde erschuf, eine Rippe des Adam, um daraus Eva zu konstruieren (sehr „volkstümlich“!)? Hier wird für ewig das Bild geformt: Die Frau ist aus dem Manne erschaffen und zu seiner „Hilfe“ da. 
  • Wenn die Aussage „nach seinem Ebenbild“ richtig ist stellen sich der Kirche höchstpeinliche Fragen: hat Gott (ebenso wie Adam) männliche Geschlechtsorgane? Hatte auch Gott einen Sinn für Erotik? Und wieso hatte Adam bei seiner Erschaffung Geschlechtsorgane, wenn zum Zeitpunkt seiner Erschaffung noch gar nicht bekannt war, dass er eine Partnerin mit weiblichen Geschlechtsorganen bekommt? 
  • Wieso wusste der „Allwissende“ nicht schon vorher, dass Adam und Eva ihn hintergehen werden, und dass Adam und Eva vom „Baum der Erkenntnis“ essen werden? Hatte Gott einen Plan, der den „Sündenfall“ vorsah – war das in seinem „Drehbuch“ so vorgesehen? 

 
(…) Der Klerus spricht von „Geheimnissen“ und davon, dass die Menschen nicht imstande seien, Gottes Ratschluss und Handeln immer zu verstehen. Dies erscheint billig, und dies hat Papst Franziskus erkannt. Allerdings ist es wohl ausgeschlossen, mehr zuzugeben als er es tat. Er hätte die Spaltung der katholischen Kirche riskiert, schließlich stellt das 1. Buch Mose, Genesis, die Basis dar nicht nur für das Alte Testament, schlussendlich auch für die Christenheit:
 
Es ist nicht damit abgetan, sich als Christ auf die Lehren des Neuen Testamentes zu konzentrieren, die „volkstümliche“ Seite des 1. Buch Mose oder die des David aus dem Alten Testament schmunzelnd als fromme Legende anzusehen und danach zur christlichen Tagesordnung überzugehen. Ohne die biblische Urgeschichte der Erschaffung der Welt und des „Sündenfalls“ funktioniert auch das Neue Testament nicht – weder die Lehre von der „Erbsünde“, die durch Jesu Tod getilgt werden muss, noch die Lehren von der „Hölle“ und andere von der Kirche konstruierte Dogmen. Bis heute gilt als offiziell für die Kirche, dass jedes menschliche Wesen, egal wo es auf die Welt gekommen ist, ob gesund oder krank, mit einer „Erbsünde“ belastet ist. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn die Kirchenlehrer nicht immer wieder anfügt hätten (und dies teilweise bis heute tun), dass dies ohne die erlösende Taufe nach dem Tode geradewegs in die Hölle führt. Dies gilt auch für unschuldige Babys in Völkern, bei denen die Eltern noch auf christliche Missionare warten und deshalb auch noch nichts von der christlichen Pflicht zur Taufe des Kindes wussten.
 
Bis zum heutigen Tage wird tapfer an der Version der Bibel festgehalten, dass Gott ein Paradies wollte und auch schuf, darin Menschen nach seinem Ebenbild, die gehorsam und nach seinem Willen friedlich und „paradiesisch“ darin leben und ihn vorbehaltlos anerkennen. Und im Himmel sollten Engel sein, allein zu dem Zweck geschaffen, seine Herrlichkeit zu preisen und ihm zu dienen. Der Klerus redet der Christenheit bis heute ein, dass die ersten Menschen, Adam und Eva, alles vermasselt haben. Das kann man auch anders sehen:
 
-     Davon ausgehend, dass Gott allwissend und allmächtig ist, sind die Vorgänge im Paradies so nicht erklärbar. Sollte man bei halbwegs logischer Betrachtung nicht davon ausgehen können, dass ein Gott mit den ihm zugeschriebenen Eigenschaften in der Lage ist, fehlerlose Arbeit zu leisten, in diesem Fall den Lauf der Dinge vorherzusehen und seine Pläne ohne Wenn und Aber und ohne die Gefahr des Scheiterns durchzusetzen?
-     Gleiches gilt für seine Engelschar, diese hatte er ebenso nicht im Griff. Wie kann es sein, dass nach seinem Willen Wesen geschaffen werden, die allein für ihn selbst und zu seinem Nutzen wirken sollen, bei der aber gleich ein Teil davon gegen ihn intrigiert und hinter seinem Rücken unerwünschte Dinge tut, an der Spitze mit einem mächtigen Gegenspieler (Luzifer)?
-     Seit der Antike hat sich das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen weiterentwickelt. Muss man es da einfach hinnehmen, dass Jahwe sein „Ebenbild“ schon nach so kurzer Zeit und allein aufgrund eines läppischen Mundraubes mit drastischen Worten verfluchte und bestimmte, dass nicht nur Adam und Eva, sondern auch alle Menschen, noch tausende Jahre danach „… im Schweiße des Angesichtes …“ ihr Brot verdienen und sterben müssen?
-     Könnte die Schilderung der Bibel (hier zum Thema „Strafe für Ungehorsame“) auch etwas damit zu tun haben, dass man den Zuhörern unterschwellig weitere Botschaften vermitteln will: die Erfahrung dazu, was Menschen blüht, wenn sie nicht der übergeordneten Autorität gehorchen – egal wie wenig Berechtigung bzw. Einsehen oder Logik hinter einem Befehl stecken. Hierauf baute später Paulus seine Lehren auf.
 
Betrachtet man das Resultat der Erschaffung des Paradieses, der ersten Menschen auf der Erde und der Engel im Himmel, so bleibt bei nüchterner Beurteilung allein der Befund: der Gott der Bibel und des Tanach hatte sich bemüht, aber er ist im Ergebnis kläglich gescheitert.
 
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Geschichten von rituellen Schlachtungen und abgeschnittenen Vorhäuten 

 (…) Die Bibel berichtet: „…  Da sagte Abram: Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen, dass ich es zu Eigen bekomme? Der Herr antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine Haustaube! Abram brachte ihm alle diese Tiere, zerteilte sie und legte je eine Hälfte der andern gegenüber; die Vögel aber zerteilte er nicht.“ (Gen 15,7ff).
Der Leser mag es kaum glauben: Hier kommen – auf Wunsch des „Herrn“ – Praktiken zum Zuge, die man wohl eher geheimnisvollen Sekten, „Voodoo-Zauberern“ oder Schamanen unterstellt! Was unterscheidet diese Erzählung von „heidnischen“ Riten bei Naturvölkern? Man fühlt sich versetzt in steinzeitliche Höhlen: Gott braucht ein Zeremoniell mit Tieropfern, eine Kuh, eine Ziege, einen Schafbock, alle müssen genau drei Jahre alt sein und der Länge nach geteilt werden, dazu zwei verschiedene Taubenarten, um mit Abraham einen „Bund“ zu schließen. Damit nicht genug, der Zauber ist noch nicht vorbei, die kuriose Geschichte wird fortgeführt:
„… Die Sonne war untergegangen und es war dunkel geworden. Auf einmal waren ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel da; sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch (…) An diesem Tag schloss der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom Eufrat, (das Land) der Keniter, der Kenasiter, der Kadmoniter, der Hetiter, der Perisiter, der Rafaïter, der Amoriter, der Kanaaniter, der Girgaschiter, der Hiwiter und der Jebusiter.“ (Gen 15,17f).
Eine Schilderung wie diese („…dunkel … Tieropfer … rauchender Ofen … lodernde Fackel …“) mag den Zuhörern im Altertum eine Gänsehaut eingejagt haben – es war ihr TV. Aber muss man sie auch heute noch glauben? Nüchtern betrachtet sollte man einer Story wie dieser den Status von Unsinn geben, sie würde wohl kaum nachhaltig in Erinnerung bleiben. Und einen Gott, der einem Volk Land verspricht, das anderen gehört und deshalb zuerst einmal durch Überfall, Raub und Mord erobert werden muss, würde man heute kaum noch akzeptieren. Darauf wird in den Abschnitten „David – strahlender Held oder mordender Heiliger?“ nochmals eingegangen (s. u.!). Die Kirche hat für schwer verständliche Fälle die „Stuttgarter Erklärbibel“. Das Zeremoniell der Tieropfer müsse verstanden werden als „Selbstverpflichtungszeremonie“. Wer bei einem Bund, wie Gott ihn mit Abraham schloss, vertragsbrüchig werde, der ziehe das Schicksal der geschlachteten Tiere auf sich, aber dies erscheint noch obskurer.

(…) Als Abraham schließlich das gesegnete Alter von 99 Jahren erreichte, erschien ihm nochmals der Allmächtige und verlangte (damit der längst geschlossene Bund endlich wirksam werden könne), dass sich alle Männer die Vorhaut am Penis abschneiden müssen. Dafür bekomme Abraham als sein Bündnispartner das Land Kanaan. Und wer nicht gehorche und sich nicht beschneide, der müsse „… aus dem Volk ausgestoßen werden,“ er habe „… sein Leben verwirkt.“ (Gen 17,14). Diese Passage mag auf unvoreingenommene Leser von heute wie Mumpitz wirken. Aber sie ist Teil der „Offenbarung“, und sie wird von Millionen Männern – von praktisch allen Juden und Muslimen – noch immer ernst genommen, die gegenüber Abraham ausgesprochene Drohung wirkt bis heute.
 
(…) An dieser Stelle sollen nur einige wenige offene Fragen angemerkt werden: 
 

  • Der Offenbarung nach besaß Abram Sklaven. Hat Gott dies übersehen oder gar geduldet? Verschloss Gott seine Augen vor diesem offensichtlichen Unrecht? Die Sklaverei war damals üblich. Ist Gottes Gerechtigkeitssinn dem gerade geltenden Zeitgeist unterworfen? 
  • Wieso verlangte Gott über lange Zeit Rituale mit Tieropfern – bis sie ihm irgendwann, scheinbar aus einer Laune heraus, „zuwider“ waren? 
  • Wie ist es mit der Gerechtigkeit Gottes bestellt, wenn er Abrahams Nachkommen die Herrschaft über viele Länder und Völker verspricht – die zu diesem Zweck zuerst noch überfallen und erobert werden müssen (durch Raub, Mord und Vergewaltigung)? 
  • Warum überhaupt braucht der Allmächtige zur Umsetzung seiner geheimnisvollen Ziele den „Bund“ mit einem Menschen? 
  • Welchem Gott leistete Abram Folge? Von Hause aus Chaldäer kannte Abram allein den Polytheismus Mesopotamiens. Der jüdische Gott Jahwe tauchte erst rd. 1000 Jahre später auf (bei Moses). Hat hier die Geschichte im Laufe der mündlichen Weitergabe einiges miteinander vermischt und den (späteren) Jahwe-Glauben auch Abram zugeschrieben (obwohl er diesen gar nicht kennen konnte)? 

 
 

Moses und ein starrsinniger Pharao 

(…) Nach biblischer Erzählung hatte Moses bei seinem theatralischen Auftritt vor dem Pharao auf seiner Seite keinen geringeren als den Allmächtigen. Dieser hatte zuvor seinem Schützling versichert, er werde den „… Pharao starrsinnig machen, damit ich umso mehr meine Macht durch Zeichen und Wunder erweisen kann. Der Pharao wird eure Forderung ablehnen und dann werden die Ägypter meine harte Hand zu spüren bekommen …“ (2. Mos 7,1ff). Und später, als die „harte Hand“ ihre Plagen über das gesamte ägyptische Volk gebracht hatte – über die Frauen und Alten ebenso wie über die Kinder – da lautete die Erklärung Gottes: „… Mein ist die Rache, ich will vergelten! …“ (5. Mos 32,35).

(…) Man glaubt es kaum, aber es ist ein Teil der „Offenbarung“:

-   Gott wirkt eigenhändig darauf ein, dass der Pharao „starrsinnig“ ist und nicht dem Willen des Moses entspricht, um so die Gelegenheit zu erhalten seinen Zorn zu zeigen. Der Pharao hatte offensichtlich keine Chance, sein Handeln war von Gott vorbestimmt. Welche Schuld trifft ihn vor diesem Hintergrund, mit welchem Recht wurde er abgestraft? Würde man andere handelnde Institutionen dafür nicht der „Willkür“ bezichtigen?
-   Nicht nur der Pharao selbst, sondern das ganze ägyptische Volk muss den Zorn Gottes erleiden, egal welchen Anteil sie an der Entscheidung und dem Handeln des Pharaos hatten – zumeist wohl keinen. Unschuldigerweise (aber mit Gottes Willen!) werden alle Erstgeburten im Lande umgebracht. Wird hier nicht ganz offen Rassismus demonstriert? Wird nicht ganz offen demonstriert, dass das Blut der Israeliten weit mehr wert ist als das anderer Völker?
-       Wie gerecht ist ein Gott, der auf diese Weise in die Geschicke der Menschen einwirkt? Mit welcher Begründung ist der tausendfache Mord an Kindern zu rechtfertigen? Was hatten diese Kinder verbrochen? Was ist das für ein Gott, der Zorn zeigen und maximale Rache demonstrieren will? Nebenher fragt man sich, ob die fürchterliche Bluttat nicht allein dadurch überflüssig hätte sein können, indem der Allmächtige den Pharao „milde“ statt „starrsinnig“ gestimmt (verzaubert) hätte?
-       „Mein ist die Rache!“ Ein weiteres Zeugnis für Charakter der Bibel, verstärkt noch durch Elemente nahöstlicher Kultur.

Vollends grotesk wird die biblische Geschichte des Moses im weiteren Verlauf, da wollte Gott seinen Schützling unvermittelt umbringen (2. Mos 4,24f): „… Und als Mose unterwegs in der Herberge war, kam ihm der HERR entgegen und wollte ihn töten. Da nahm Zippora einen scharfen Stein und beschnitt ihrem Sohn die Vorhaut und berührte damit seine Scham und sprach: Du bist mir ein Blutbräutigam. Da ließ er von ihm ab. Sie sagte aber Blutbräutigam um der Beschneidung willen. …“ Wieder wird Gott als eine launische Figur dargestellt, denn ebenso unvermittelt danach wird Moses wieder zu seinem Liebling.

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Auszüge aus dem Kapitel „Mythos Jesus von Nazareth“: 
 

Erneuerer oder Revoluzzer? Die letzten Tage eines Provokateurs 

(…) Als Beispiel, wie Jesus provozierte, als Provokateur, Rebell und Erneuerer auftrat, sei folgende Rede Jesu zitiert: „…Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen es zwar, tun es aber nicht. Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür rühren. Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen und haben es gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. (…) Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, (…) Weh euch, ihr blinden Führer (…) Von außen scheint ihr vor den Menschen gerecht, aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet das Gesetz. (…) Ihr Schlangen, ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen? …“ (Mt 23,1ff, Auszüge). Das war innerhalb eines Obrigkeitsstaates (und auch später noch) „starker Tobak“! Jeder halbwegs des Denkens fähige Mensch wusste um die Gefährlichkeit solchen Tuns, umso mehr sollte ein „allwissender“ Gott um die Konsequenzen wissen.
 
(…) Man muss sich bildhaft vergegenwärtigen das Schauspiel, das die Menschen in Jerusalem von denjenigen geboten bekamen, die da in die Stadt kommen: Da „… breiteten viele ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten …“ (Mk 11,1ff). Da verbreiten sie die Kunde von einem, der „Tote auferweckt“ und vom Eintreffen des „Königs von Israel“, dazu ruft die Schar der Anhänger „Hosanna dem Sohn Davids“ und „Hosianna in der Höhe“. Nebenbei bemerkt: Augenscheinlich auch hier die Anstrengungen der Evangelisten, das Geschehene in Verbindung zu bringen mit den Prophezeiungen des AT.
Der Anruf „Hosanna“ war nur bei hohen jüdischen Festen und der Inthronisation eines Königs üblich. „Der kommt im Namen Gottes“ meinte den erwarteten Messias auf dem Thron König Davids. Mit ausgestreuten Palmzweigen, einem antiken Triumphsymbol, feierten Juden ihre Siege über Nichtjuden. Dies musste – neben den Juden – die Besatzungsmacht auf den Plan rufen. Die Römer fürchteten eine Volksmenge als unberechenbare und gefährliche soziale Gruppe, und eine solch eindeutige Demonstration konnte die Römer dazu veranlassen, sofort einzuschreiten und die Führer der Demonstration festzunehmen.

(…) Aber es war der Provokationen noch nicht genug: Nach Mk 11,15 vertrieb Jesus am Tag nach seinem Einzug in Jerusalem Händler und Geldwechsler aus dem Tempelvorhof. Die in der Säulenhalle tätigen Händler verkauften Opfermaterial an Wallfahrer und nahmen die von allen Juden jährlich zu entrichtete Tempelsteuer ein. Jesus störte das Darbringen gekaufter Opfer und Überbringen der Geldmittel und griff damit demonstrativ den gängigen Tempelkult und über Jahrhunderte gewachsenen Gewohnheitsrechte an.
Immerhin Lukas und Johannes deuten an, dass dieses Gebaren nicht nur Beifall provozierte. Johannes berichtet davon, dass die Pharisäer zunächst zu resignieren schienen: „… Die Pharisäer aber sagten zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach. …“ Scheinbar ermutigte dies Jesus und vor allem seine Gefolgsleute zu weiteren Provokationen, jetzt setzte er dem seltsamen Einzug in die Stadt noch eins drauf, ging er ans „Eingemachte“, an den Geldbeutel der Geschäftsleute:
„… Und Jesus ging in den Tempel und fing an, hinauszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trüge. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. …“ (Mk 11,15ff, der Begriff „Räuberhöhle“ wird innerhalb anderer Schriften auch mit „Scheißhaus“ übersetzt). 
Es ist nicht zu erwarten, dass das Umstoßen der Tische und Verkaufsstände sowie das „Hinaustreiben“ der Verkäufer, Geldwechsler und Händler ohne Anwendung von Gewalt und Gegenwehr vonstattenging – zumal es von einer Gruppe ausging, die keinerlei staatliche Gewalt repräsentierte, vielmehr als Revoluzzer und Sektenanhänger begriffen wurde. 
 
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Melodram und Widersprüche bis zuletzt 

Zur perfekten Theatralik gehört das Bild von Menschen, die am Fuße des Kreuzes stehen und mitleiden. Dieser Idee folgend berichtet der größte der vier Dramaturgen, Johannes: „… Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. …“ (Joh 19,25). Auch diese Bibelpassage wird häufig verlesen – völlig ungeachtet dessen, dass die drei weiteren Evangelisten ein völlig anderes Bild beschreiben. Die Argumente, dass Johannes auch hier hinzugedichtet hat, sind geradezu erdrückend:
 
Die Evangelisten Lukas, Markus und Matthias, berichten übereinstimmend, dass diejenigen, die Jesus zuvor „nachgefolgt waren und ihm dienten“, und andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgekommen waren, „von weitem“ (Mk 15,40f und Mt 27,55f) bzw. „von ferne“ (Lk 23,48f) zusahen. Drei zu eins gegen Johannes! Auch sprechen alle bekannten historischen Berichte bzw. Dokumentationen über die von den römischen Soldaten regelmäßig wiederholten Verfahren bei Kreuzigungen dagegen. Die am Vorgang Beteiligten (Henker und ihre Helfer wie auch die Delinquenten) wurden durch die Soldaten streng abgeschirmt, niemand außer den Soldaten selbst und den Gerichtshelfern durfte auch nur in die Nähe der Delinquenten – oft noch über den Tod der Gerichteten hinaus. Wie anders sollte dieser Vorgang störungsfrei abgewickelt werden? Der eklatante Widerspruch, in welchem sich die Schilderung des Johannes zu den Schilderungen der übrigen drei Evangelisten befindet, mag nur ein Beispiel sein dafür, dass die Evangelisten es mit der Wahrheit nicht immer genau nahmen.
 
Der Klerus schert sich um die Widersprüche nicht. Die exklusiv von Johannes geschilderte Szene der leidenden Frauen rechts und links des Kreuzes ist eines der beliebtesten Motive der Maler, vor allem an Altären in Kirchen. Damit nicht genug: Auch die Szene mit Simon aus Kyrene als Helfer beim Tragen des Kreuzes kommt allein vor im Evangelium des Johannes, auch hier wussten die übrigen Evangelisten davon nichts. Von der Szene mit Veronika und dem Schweißtuch schreibt kein einziger Evangelist etwas. Sie ist eine spätere Erfindung, aber sie passt hervorragend in das Geschehen und deshalb sehr beliebt. Doch damit der offenen Fragen zu den letzten Stunden Jesu noch nicht genug, sie setzen sich fort in den letzten Worten Jesu am Kreuz.
 
Den „Sieben letzten Worte Jesu Christi“ wird im Christentum besondere Bedeutung beigemessen. Aber die Evangelisten waren sich nicht einig dazu, welches denn nun die letzten Worte Jesu waren, sie widersprechen sich total: 
 

  • Markus und Matthäus zitieren einen Verzweiflungsschrei Jesu am Kreuz: „… Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? …“ (Mk 15,34; Mt 27,46). 


  • Laut Lukas waren die letzten Worte ein Gebet: "… Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. …" (Lk 23,46). 


  • Johannes: „… Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. …“ (Joh 19,30). 

 
Die Kirchen haben ungeachtet der Unterschiede auch hier nie danach gefragt, welchem der Berichte mehr oder weniger Glauben zu schenken ist. Sie zitieren je nach Gusto immer nur einen der Evangelisten und hinterfragen nicht.
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Auszüge aus dem Kapitel „Paulus: Gründer der Sündentheologie“: 
 

Paulus: Frauenversteher, Patriarch und Konformist  

(…) Während römische Intellektuelle wie Sallust, Seneca und Tacitus das römische Unrechtssystem verurteilten (Tacitus: "Rauben, Morden, Stehlen heißt bei ihnen Herrschaft"), dekretierte Paulus: "Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung" (Römer 13:1). Mit diesen Lehren entfernt sich Paulus endgültig von den innerhalb der Evangelien beschriebenen Intentionen Jesu. Gleichwohl prägten diese Lehrsätze den Klerus und die kirchliche Lehrmeinung weit über das Mittelalter hinweg. Und sie mögen wesentlich zur „konstantinischen Wende“ beigetragen haben, mit der der Aufstieg des Christentums zur wichtigsten Religion im Imperium Romanum begann.

(…) Von Paulus stammt die Lehre: „… Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann wurde nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen. …“ (1 Korinther 11,8f). Und für die Mitspracherechte der Frauen hat Paulus den Rat: „… Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht einer Frau schlecht an, in der Gemeindeversammlung zu reden. …“ (1 Korinther 14,33f). Nochmals betont werden diese Ratschläge in den Briefen an die Epheser: „… Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen. …“ (Epheser 5,22ff).

Paulus beruft sich bei seiner sehr „traditionellen“ Sichtweise auf die Schöpfungsgeschichte und schafft damit die theoretischen Voraussetzungen für die bis heute vielerorts noch geltenden patriarchalischen Verhältnisse in Familie, Klerus und Gesellschaft. Mit den Schriften des Paulus werden patriarchalische Verhältnisse in Religionen und auch der Politik bis heute gerechtfertigt – vor allem außerhalb, aber auch noch innerhalb des westlichen Kulturkreises. Nicht nur die katholische Kirche sieht bis heute ihre Haltung zu Frauen in der Tradition zu Paulus – bis heute sind Frauen die Priesterschaft und die Wahl zu höheren kirchlichen Ämtern wie Bischof oder Kardinal verwehrt. Dabei scheint Paulus die Strenge der jüdischen Traditionen zum Teil sogar noch zu übertreffen. Der Vollständigkeit soll dazugefügt sein, dass Paulus mit seinen Mahnungen an die Frauen nicht alleine dastand, er hatte Petrus an seiner Seite: „… Desgleichen sollen die Weiber ihren Männern untertan sein …“ (1 Petr 3,1). Petrus orientiert sich damit an der jüdischen Tradition.

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Auszüge aus dem Kapitel „Im Widerspruch zur Bibel: Emanzipation und Grundgesetz“:
 

Frauen in der Bibel und in der kirchlichen Tradition 

(…) Es finden sich innerhalb des Alten Testamentes viele Passagen, welche die untergeordnete Rolle von Frauen quasi festschreiben wollen. Es soll an dieser Stelle allein noch zugefügt werden ein Auszug aus den „Weiteren Ehegesetzen“ (siehe 5. Mose - Kapitel 24,1ff): „… Wenn jemand ein Weib nimmt und ehelicht sie, und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, so soll er einen Scheidebrief schreiben und ihr in die Hand geben und sie aus seinem Haus entlassen. Wenn sie dann aus seinem Hause gegangen ist und hingeht und wird eines andern Weib, und der andere ihr auch gram wird und einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause lässt, oder so der andere Mann stirbt, der sie zum Weibe genommen hatte: so kann sie ihr erster Mann, der sie entließ, nicht wiederum nehmen, dass sie sein Weib sei, nachdem sie unrein ist, denn solches ist ein Gräuel vor dem HERRN, auf dass du nicht eine Sünde über das Land bringst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gegeben hat.“ Frauenfeindlicher kann sich die „Offenbarung“ kaum darstellen!


  • Die „Heilige Schrift“ stellt es Männern frei, Frauen, die nicht mehr „Gnade“ finden vor den Augen ihres Ehemannes, weil er „etwas Schändliches“ an ihr gefunden hat, mittels „Scheidebriefes“ quasi auf die Straße zu setzen. Aber es steht an keiner Stelle geschrieben, dass es auch Frauen freigestellt ist, ihren Ehemann mittels „Scheidebriefes“ rauszuschmeißen, wenn dieser keine „Gnade“ mehr findet in ihren Augen, weil vielleicht er (!) etwas „Schändliches“ getan hat. 
  • Die „Heilige Schrift“ untersagt es, dass ein Mann seine „Ex“ erneut bei sich aufnimmt, falls sie in der Zeit der Trennung bei einem anderen Mann Aufnahme gefunden hatte – auch wenn dieser vielleicht längst gestorben ist. An keiner Stelle der Heiligen Schrift wird auch nur andeutungsweise den Männern vergleichbares angedroht. 
  • Die „Heilige Schrift“ bezeichnet Frauen, die sich mit einem anderen Mann als dem Ehemann eingelassen haben, als „unrein“, solches ist ein „Gräuel“ vor dem HERRN. Es ist an keiner Stelle der Heiligen Schrift vermerkt, wieviel „Gräuel“ der HERR erlebt hat, weil Männer sich mit anderen Frauen als der eigenen Ehefrau eingelassen haben. 
  • - Vielweiberei, Nebenfrauen und wechselnde Verhältnisse scheinen in der „Heiligen Schrift“ für Männer weniger bedeutsam als ein Kavaliersdelikt. Wirksame Einschränkungen gab es für diese nur insoweit, wie sie das Verhältnis zu anderen verheirateten Frauen betrafen. 

 
Das Neue Testament setzt diese Tradition fort. Hier finden sich viele weitere frauenverachtende Zeilen, beginnend mit den Lehren des Paulus, fortgesetzt von anerkannten Kirchenvätern wie der heilige Augustinus und Thomas von Aquin. Hinzu gefügt zu den bisher aufgeführten Beispielen sei folgender Ausschnitt aus dem Brief des Paulus an die Korinther: „… Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen.“ (Auszug aus: 1 Korinther 11). 

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Auszüge aus dem Kapitel „Braucht der Mensch einen Glauben?“: 

 

Was macht Religionen attraktiv oder Die Verdrängung des Realen  

Seit jeher sind Menschen danach bestrebt, persönliches Erleben als scheinbaren oder tatsächlichen Beweis für die „Richtigkeit und Wahrheit“ des jeweiligen Glaubens in Rechnung zu stellen. So glaubte Konstantin anlässlich einer siegreichen Schlacht, ihm stehe der Gott der Christen zur Seite. Aber auch der Misserfolg stört diesen Glauben nicht. So jammerte nur rd. ein Jahrhundert später, nachdem Rom von den Westgoten und später von den Vandalen geplündert worden war, der christliche Autor Salvian: „Warum duldet er (Gott), dass wir von den Barbaren besiegt werden?“ Die Antwort erschien ihm einfach: Die Menschen hatten gesündigt, und Gott bestrafte sie. Die Anhänger der alten Religionen hatten zum gleichen Ereignis eine andere Erklärung, die der spätantike Geschichtsschreiber Zosimos (ca. 500 n. Chr.) wie folgt zusammenfasste: Rom war der Herr der Welt gewesen solange es den tradierten Göttern treu geblieben war. Als es sich von diesen abwendete und einem neuen Glauben (dem Christentum) zuwandte, da leitete es seinen eigenen Untergang ein. 

 

Bis in die Neuzeit sind sich Gläubige insoweit treu geblieben. Der ägyptische Präsident Nasser hatte für die Niederlage der arabischen Staaten im Sechstagekrieg gegen Israel schnell eine Erklärung parat: Nach seiner Wahrnehmung hatten nicht schwerwiegende Fehler und Verkennung der Lage oder eigenes Unvermögen zur Katastrophe geführt, es war vielmehr „Gottes Wille“, somit eines niemanden Menschen Schuld. Religionen sind hervorragend dazu geeignet, Gläubigen bei der Verarbeitung von Niederlagen und Schmerz zu helfen, mit der Realität fertig zu werden oder sie zu verdrängen. Dies ist ein unbestreitbar großer Vorteil für Menschen mit festem Glauben an eine Religion. 

 

(…) Wie das Beispiel des Versagens von Nasser und weiterer arabischer Persönlichkeiten zeigt (es ließen sich problemlos auch Personen aus der übrigen Welt nennen) scheint das Leben erheblich leichter, wenn sich eine höhere Instanz offenbart, die für das „Kismet“ verantwortlich ist, die eine plausible Erklärung für eigenes Versagen verspricht, vom eigenen Verschulden ablenkt. Und wie der Blick auf die Weltkarte zeigt ist es ziemlich egal, wie diese Instanz heißt und organisiert ist. Sie kann Allah oder Jesus, Brahma oder Shiva heißen. Von Belang ist, einen Glauben zu besitzen, sich ohne Hinterfragen diesem Glauben hinzugeben und ihn für die eigenen Zwecke (Trost, Hoffnung, Verdrängung usw.) nutzen zu können. Menschen ohne Glauben tun sich in persönlichen Fällen von Versagensängsten, Verzweiflung und Not durchaus schwerer, lasten sich Fehler eher selbst an, müssen ggf. „diesseits“ Trost und Beistand finden. Dies, so scheint es, ist (neben der Frage des „woher“) eine sehr wesentliche Motivation dafür, dass viele Menschen an etwas „Höheres“ glauben – auch dann noch, wenn sie Zweifel gegenüber existierenden Religionen haben. Wenn Religion einen Zweck, eine Existenzberechtigung hat, dann ist dieser dafür wesentlich. 

 

(…) Alain Minc (geb. 1949 in Paris, Sohn einer polnisch-jüdischen Familie, französischer Intellektueller und Bestsellerautor, Soziologe, Wirtschaftswissenschaftler und Politikberater; seine vier Großelternteile wurden Opfer des Holocaust) führt in seinem Buch „Das Neue Mittelalter“ (Hoffmann und Campe 1995) die genannten Vorgänge auf Ängste der Menschen zurück, Angst vor den Folgen von Globalisierung, Neoliberalisierung, raschem Wandel an Arbeitsmärkten und der tradierten Kultur etc.. Er schreibt (Auszüge): „… Sobald Ängste sich festsetzen, bekommt der Extremismus Oberwasser: der religiöse, ethnische und politische Extremismus. (…) Eine erstaunliche historische Parallele, dass auch der religiöse Geist in dieser Zeit des neuen Mittelalters wieder unnachgiebiger wird. (…) Heute segeln die dogmatischsten Gruppen im Wind. (…) In der Welt des Katholizismus erwachen die fundamentalistischen Strömungen, im protestantischen Universum greifen die charismatischen Basisgemeinden um sich, im religiösen Judentum ist es der Aufstieg der >Lubawitschs< (= Gruppierung innerhalb des orthodoxen Judentums) und anderer theokratischer Rabbiner, im islamischen Raum der Niedergang der Gemäßigten zugunsten der Anhänger eines orthodoxen Islams mit aggressivem Bekehrungseifer. Ganz zu schweigen von den Gruppen religiös Erleuchteter, die es neben den Offenbarungsreligionen gibt (…) Und es geht noch weiter in der Ordnung des Irrationalen: die enorme Verbreitung der Astrologie, der Kartenlegerei und aller übrigen Pseudo-Wissenschaften, die mit jener Ware handeln, die seit jeher am besten geht, mit den Zukunftsängsten. …“ (a.a.O., S. 110). 

 

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Inhaltsverzeichnis / Gliederung

Louis P. Ending

Gläubig oder klar denken?


Die Bibel im Widerspruch in sich 

und zum 21. Jahrhundert

 

Seite / Kapitel / Abschnitt 

 

5          Vorwort
 

Mythos Bibel – Mythos Christentum 

 

19        Grundlage mehrerer Weltreligionen: Der jüdische Tanach
29        Macht Euch die Erde untertan!
 

Das Alte Testament … eine „volkstümliche Erzählung“?
 
33        Inhaltliche Verortung
33        Die Vertreibung aus dem Paradies … wahr oder „volkstümlich“?
37        Eine Geschichte von missratenen Ebenbildern und ungehorsamen Engeln
44        Die „Erbsünde“: keine Erfindung des AT und auch nicht von Jesus
51        Noch eine „volkstümliche Erzählung“: Von der Sintflut
53        Geschichten von rituellen Schlachtungen und abgeschnittenen Vorhäuten
58        Moses und ein starrsinniger Pharao
64        Die 10 Gebote: genial oder eher nur einfach gestrickt?
67        David: strahlender Held oder mordender Heiliger?
72        Das „von Gott auserwählte Volk“
75        „Weisheitsliteratur“: Lieber mit einem Drachen …
78        Sklaverei – Teil des Alten wie des Neuen Testamentes

Das Neue Testament: Geprägt durch die Verfasser …
 
84        Begriff und Entstehung
89        Die Synoptiker, der Johannes und die Differenzen
93        Von den „Stempeln der Verfasser“
 
Mythos Jesus von Nazareth

96        „Faszinierendste Figur der Weltgeschichte“?
98        Mythen zu Geburt und Kindheit Jesu
101      Die Weihnachtsgeschichten
108      Die Tempelsaga
111      Jesus und die Frauen
113      Rabbi und Wanderprediger, aber auch Exorzist und Provokateur
 
Vom Schicksal eines Rebellen
 
120      Einstieg
122      Erneuerer oder Revoluzzer? Die letzten Tage eines Provokateurs
128      Alles vorbestimmt?
133      Kreuzestod Jesu: die grausame Wirklichkeit
140      Melodram und Widersprüche bis zuletzt
142      Filmreif: Sonnenfinsternis und Erdbeben
144      Variationsreich: die Schilderungen von der Auferstehung
149      Ja wie denn nun? Christi „Himmelfahrt“
 
Paulus: Gründer der Sündentheologie

 156      Vorbemerkung
159      Der „parallele“ Apostel und Religionsgründer
164      Die Theologie des Paulus: Der Mensch als Sünder und Untertan
166      Frauenversteher, Patriarch und Konformist 
171      Der Antijudaismus des Paulus
172      Was übrigbleibt (Resümee und Kritik)
 
Das Kreuz der Kirche mit der Lust
 
175      Hat der Teufel dem lieben Gott ins Handwerk gepfuscht?
179      Die Entsinnlichung der Lust und ihre Folgen
184      Ein Mythos nährt sich vom schlechten Gewissen
187      Kinder, die es eigentlich nicht gibt …
 
Im Widerspruch zur Bibel: Emanzipation und Grundgesetz
 
191      Zur „Mariologie“ oder Vom absoluten Wissen des Klerus
197      Die Rolle der Maria Magdalena
199      Frauen in der Bibel und in der kirchlichen Tradition
202      „Die klerikalen Machtstrukturen aufbrechen“
205      Kompatibel mit dem deutschen Recht?
 
Die Mythen der Gläubigen: Legenden und Reliquien
 
210       Der Placeboeffekt oder wie entstehen Mythen, Wunder, Erscheinungen?
218      Anbetung von „Überbleibseln“: Mythos Reliquienverehrung
225      Mythen „Heilige Drei Könige“ und „Heiliger Rock“
233      Kurios und schrullig: die „Heilige Vorhaut“

Braucht der Mensch einen Glauben?
 
238      Einfach „… nicht wissen wollen“?
242      Was macht Religionen attraktiv oder Die Verdrängung des Realen
250      Resümee: Braucht der Mensch einen Glauben? 
259      Literaturhinweise