Über mich


Diese website ist (wie beide hier vorgestellten Bücher)
denen gewidmet, die mehr wollen 

als nur im Mainstream mitschwimmen,

die hinterfragen und nachdenken,

dabei auch in Kauf nehmen, 

von denen nicht verstanden und belächelt,
vielleicht sogar missachtet zu werden,

die vor allem Beifall in der Gesellschaft suchen und finden,
sich stets anzupassen wissen

und unbequemem Nachdenken und
dem Willen zur Weiterentwicklung aus dem Weg gehen.

 

Weiterentwicklung und Fortschritt
hat diese Gesellschaft nicht denen zu verdanken,

die nur verwaltet haben, was ihre Väter vererbten,
die sich cremig nach dem Mainstream richteten,

sondern vor allem denjenigen,

die gegen den Strom schwammen,

die unbequem und nicht auf Beifall aus waren. 

Der Herausgeber / der Autor

Persönliches

  • Ganz persönlich:  Geb. 1948, Ältestes von 5 Kindern, kath. getauft (seit 2012  "Agnostiker",  verheiratet , 2 Söhne,  ein Enkel,  aufgewachsen im Dreiländereck  D / F / Lux,  


  • Schule / Bildung:   Ausbildung zum Mess- u. Regelmechaniker,  Berufs-aufbauschule in Abendform,  Ing.-/ Fachhochschule (Abschluss Diplom-ingenieur 1973), 
  • Techn. Universität Berlin (Abschluss 1. Staatsprüfung f. d. Amt d. Studienrats 1976),   2. Staatsprüfung im Saarland (Assessor des Lehramts 1979),
  • 1979 - 1982:  Fernstudium mit beglei-tenden Wochenendseminaren zum Erwerb der  Unterrichtserlaubnis f. d. Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen ("kirchl. Unterrichtserlaubnis"); 


  • Fremdsprachen:   englisch (Inhaber des Course Certificates der Cambridge Academy of English), spanisch (um-gangssprachlich), lux. Deutsch; 


  • Neigungen : Bücher (lesen u. schreiben), Musik (Konzerte, Singen im Chor, selbst Klavier spielen),  Politik (Mitmachen in der SPD),  Reisen, gute Filme,  ein biss-chen Fitness (Walking, Schwimmen, Fahrrad),  Garten,  Treffen in Freundes-kreisen; Teilnahme an Meinungsbil-dungsprozessen - seit über 50 Jahren  aktives, jedoch nicht immer beliebtes Mitglied in der SPD, aktiv derzeit innerhalb der "AG 60 Plus" (stellvertr. Kreisvorsitzender); 

Berufsleben / Ehrenämter

  • 1963 - 1970   Azubi, Mess- und  Regel-mechaniker bei den Dillinger Hütten-werken AG,
  • 1973 - 1974   Elektroingenieur b. d. DB,
  • 1977 - 1986   Lehrer / Dozent u. a. an Berufs-, Meister- u. Fachoberschulen in Dillingen, Merzig u. Völklingen, 
  • 1986 - 1990   Assistent des Vorstandes bei der Saarbergwerke AG, 
  • 1990 - 2001   Fachabteilungsleiter / stellvertr. Abt.-leiter Arbeitsschutz bei den Saarbergwerken AG, Saarbrücken;


  • 2001 - 2013   (neben- / freiberuflich): Fachbuchautor,  Dozent, Seminarleiter, Unternehmensberater z. d. Themen u. a.: Haftungsrisiken f. techn. Führungs-kräfte,  Umgang mit Fremdfirmen u. Subunternehmen,  Ausbildung von Sicherheitsingenieuren u. Fachkräften f. Arbeitssicherheit , CE-Kennzeichnung; 


       Ehrenämter (Auszug): 

  • Politisch:   1979 - 2004 Mitglied des Kreistages Merzig-Wadern, davon 15 Jahre  Fraktionsvorsitzender,
  • Rd. 20 Jahre Mitglied in versch. Auf- sichtsräten,  25 Jahre Mitglied in div. Gliederungen der SPD (u.a. Presse-referent im Kreisvorstand) 
  • Seit 23 Jahren Mitglied im Kreisvorstand der Obst- u. Gartenbauvereine Merzig-Wadern, davon 18 Jahre Vorsitzender, seit 2022 Ehrenvorsitzender;
  • Mitbegründer der Viezstraße; 


Sonstiges: Inhaber der "Gedenkmedaille Willy Brandt", verliehen durch die saarl. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (2023)

Bücher / Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Louis P. Ending (Autor),   "lower level - Wie sich CDU und SPD halbierten"; Amazon, Nov. 2021,   aktualisiert September 2023;
  • Louis P. Ending (Autor),   "Gläubig oder klar denken?  - Die Bibel im Widerspruch in sich und zum 21. Jahrhundert",  Amazon, April 2021, akt. Dez. 2022;
  • Alois Engeldinger (Herausgeber):   „Betreiberverantwortung“,  Risiken er-kennen, Haftung wirkungsvoll redu-zieren, WEKA MEDIA 2009,  2. Aufl. 2012; 
  • Bauer, Engeldinger, Schmid (Hrsg.), „Haftungsrisiken für technische Führungskräfte“, Tipps zur Vermeidung, WEKA MEDIA 2009; 
  • A. Engeldinger,  „Risikomanagement für technische Führungskräfte“ – Hand-lungsempfehlungen zur Risikover-meidung, WEKA MEDIA 2008; 
  • Bauer, Engeldinger (Hrsg.), „Arbeits- u. Gesundheitsschutz in klein- und mittel-ständischen Unternehmen“, dwd-verlag, 2002; 
  • Zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften, in Kreisheimat- und Jahrbüchern; 


Geplant / in Arbeit (hier mit Arbeitstiteln): 

  • "vox populi" - von der Notwendigkeit eines linken Populismus, Veröffent-lichung geplant 2024/25),
  • "Die Vollkaskogesellschaft - Hier fällt keiner runter ..." 
  • "Hüter des Glaubens  -  Von der Friedfertigkeit des Christentums" (Fortsetzung des Werkes "Gläubig oder klar denken?" , vorgesehen 2026); 

Meine Motivation


kurz gefasst:


„Wissen / Verstehen / Beteiligen“ 


- abseits blinden Vertrauens auf Verkünder von politischen
  oder religiösen Philosophien; 
- hinterfragend die Botschaften von Massenmedien und
  Predigern, die seit Jahrtausenden Leid, Krieg und Unter- 
  drückung in die Welt brachten und immer noch bringen;
- abseits blinden Vertrauens auf Organisationen und Medien,
  welche auch noch im 21. Jahrhundert mit diversen Mitteln
  die Menschen von all dem ablenken, was tatsächlich relevant
  und veränderungswürdig ist. 


Wissen teilen und sich selbst einbringen in gesellschaftliche Entwicklungen, Einfluss nehmen, Mitmachen;


Zum zuletzt genannten Thema mehr im hier geplanten Blog und den noch folgenden Büchern.

Über Anregungen freue ich mich.


Fragen an den Autor


Interview


des Herausgebers Alois P. Engeldinger (hier „A. P.“)
 
mit dem Autor Louis P. Ending (hier „L. E.“)


zu den Werken



"Gläubig oder klar denken?

 (April 2021)

 und

"lower level ..." 

 (Nov. 2021, Neuauflage 2023)

 
 
A.P.:
Herr Ending, vorweg:  wieso wählten Sie für Ihre Bücher als Autorennamen ein Pseudonym, warum schreiben Sie nicht unter Ihrem echten Namen?


L.E.:   
Zum Schutz meiner selbst und zum Schutz meiner Familie.  Das Werk "Gläubig oder klar denken?" ist ein religionskritisches, insbesondere bibel- bzw. kirchenkritisches Buch. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine gewisse Fraktion von Gläubigen (nicht nur einer bestimmten Religion) sich nicht scheut, Kritiker mit Telefonterror, Verleumdung und Shits-torm zu überziehen. Das kann sehr nervig sein, und so hoffe ich, das grenzt sich ein.

 
A.P.:
Bleiben wir zunächst bei Ihrem Werk "Gläubig oder klar denken". Es befasst sich im engeren Sinne mit den Themen „Glauben“ bzw. „Religion“ .  Sind Sie selbst ein „gläubiger“ Mensch,  gehören Sie einer Religion an?


L.E.:    

Ich bin katholisch getauft, war als Kind und Heranwachsender viele Jahre Messdiener und bin kirchlich verheiratet. Mein Vater (1923-2021) war streng gläubig, der Bruder meiner Ehefrau ist Priester und gehört dem Benediktinerorden an – eigentlich beste Voraus-setzungen, selbst gläubig und fromm zu sein. Aber schon recht früh regten sich Zweifel. Zum einen zu den Dogmen der Kirche, zum zweiten zu dem Sinn eingefahrener Ritualien, vor allem aber zum Inhalt der Bibel. Selbst der Versuch, mittels Studiums der Theologie (Fernstudium mit monatlich stattfindenden Wochenendseminaren) mit dem Abschluss der „Kirchlichen Unterrichtserlaubnis an berufsbildenden Schulen“ (1982, Note „gut“), einen neuen Zugang zu finden, den Klerus und die von diesem aufgestellten Regeln zu verstehen, hatte das Gegenteil zum Ergebnis. Mehr Wissen führte zu mehr Zweifel.  

 

Im landläufigen Sinne bin ich nicht (mehr) gläubig. Nach reiflichem Abwägen trat ich 2012 aus der kath. Kirche aus, trat jedoch nicht über in das Lager der Atheisten oder in eine andere Religion. Ich sehe mich dem Agnostizismus nahe stehend.
 
A.P.:
"Agnostizismus" - was genau ist das?


L.E.:
Die Frage „Gibt es einen Gott?“ beantworten Agnostiker nicht mit „Ja“ oder „Nein“, sondern mit „Ich weiß es nicht“, „Es ist nicht geklärt“, „Es ist nicht beantwortbar“ bzw. „Ich kann es nicht wissen (können)“.
Agnostiker sind der Meinung, dass die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes wissen-schaftlich nicht zu begründen bzw. ungeklärt oder nicht klärbar sind. Der Agnostizismus bekennt sich somit zur Begrenztheit menschlichen Wissens, Verstehens und Begreifens. Er bestreitet die Möglichkeit der Existenz eines Gottes bzw. transzendenter Wesen oder Prinzipien nicht. Entsprechend toleriert er -  vor dem Hintergrund, dass die Gewissheit einer Existenz oder auch Nichtexistenz eines Gottes fehlt - den Glauben, aber auch die Ablehnung eines Glaubens. 

E. Kant schrieb dazu : „Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu be-kommen.“ Agnostiker haben Probleme damit, das Wissen des 21. Jahrhunderts (z. B. zur Entstehung der Erde und des Lebens) beiseite zu schieben, um den Glaubenssätzen von Religionslehrern oder alten Schriften zu folgen.  

 
A.P.:
Das klingt kompliziert!  Könnten Sie das weiter erläutern? Wo konkret fangen Ihre Probleme mit dem Glauben an?


L.E.
Jede Religion setzt im Kern ihres Wesens etwas voraus, was sie nicht beweisen kann, nämlich die Existenz eines „höheren Wesens“, das man „Gott“ nennt. 
Schon immer und in allen Völkern gab es das Bedürfnis der Menschen, an ein "höheres Wesen", an einen tröstenden, "allmächtigen" ("lieben") Gott zu glauben, der ihnen in der Not hilft, der ihnen zuhört und ein Leben nach dem irdischen Dasein verspricht. Gleichzeitig lieferte dieser Glaube Antworten auf viele Vorgänge, welche man sich ansonsten kaum erklären konnte, z. B. die Herkunft von Gewittern. Und weil die früheren Völker auf dieser Erde relativ abgeschottet innerhalb ihrer jeweiligen Erdregionen lebten, entwickelten sie dazu unterschiedliche Vorstellungen. So gründeten sich weltweit rd. 9.000 verschiedene Religionen, die - mit teils sehr unterschiedlichen Kernaussagen - verschiedene  Glaubens-auffassungen schufen. 

Das alles wäre zunächst nicht weiter tragisch (allein Privat- oder "Kopfsache"), wenn nicht jede dieser Religionen von sich behaupten würde, die "Wahrheit" zu kennen, die einzig richtige zu sein, und dass alle anderen falsch liegen. Diese Arroganz brachte viel Leid auf die Erde.

 

A.P.:
Sehen Sie in der Existenz von rd. 9.000 verschiedenen Religionen mit unterschiedlichen
Glaubensvorstellungen einen Beweis für Ihre Thesen?
 


L.E.:
Ist es nicht seltsam, dass Gläubige im Allgemeinen fest von der Richtigkeit ihrer eigenen Religion überzeugt sind, obwohl ihr Nachbar (gleichgültig ob er in der gleichen Straße wohnt oder 10.000 km entfernt) an eine ziemlich andere Originalität glaubt?  Warum sind in arabisch geprägten Regionen fast alle Menschen islamischen Glaubens und weisen die Kulturen in europäisch geprägten Landen eine christlich geprägte Geschichte auf?  Könnte es daran liegen, dass sich Gläubige nicht deshalb an "ihre" Religion gebunden fühlen, weil sie sich ergebnisoffen vorher informiert haben, sondern in ihre Religion praktisch "hineingeboren" sind?

Wie der Blick auf die regionale Verteilung der Religionen zeigt, entscheidet vor allem der Ort der Geburt darüber, welchen Glauben die Menschen annehmen und nicht ein ergebnis-offener Erkundungsprozess. Welcher Christ hat sich vor seiner Taufe, welcher Muslim hat sich im Laufe seines Lebens zum Thema "Glauben" tatsächlich, also vorbehaltlos und nüchtern (klar denkend) Gedanken gemacht, sich zumindest grob und ohne tendenziöse Beeinflussung über die Inhalte verschiedener Glaubensrichtungen informiert, um erst dann eine Entscheidung zu treffen - womit wir beim Thema wären: „Gläubig oder klar denken?“ 



A.P.:
Dieser Buchtitel  „Gläubig oder klar denken?“ erscheint sehr provokant.  Unterstellen Sie Gläubigen, nicht klar denken zu können?


L.E.:   
Natürlich vermögen auch Gläubige, „klar“ zu denken, aber sie haben es zumeist versäumt, ihren Glauben „klardenkend“ - gemeint ist nüchtern, vorbehaltlos und hinterfragend - unter die Lupe zu nehmen;  sie glauben einfach, weil sie es von ihren Eltern und im Religions-unterricht so gelernt haben und weil sie zu bequem sind, sich näher mit der Grundlage dieses so angenommenen eigenen Glaubens (hier der Bibel) auseinanderzusetzen, geschweige denn, sich mit anderen Glaubensrichtungen zu befassen.

A.P.:
Wollen Sie damit unterstellen, dass die meisten Christen ihre Bibel garnicht lesen?

L.E.:   
Fragen Sie doch mal einen Christen, wann er zuletzt mal in seiner Bibel gelesen hat!  In den meisten Fällen erübrigt sich die Folgefrage, nämlich ob er sich vertieft,  hinterfragend und abwägend, mit ihr auseinandergesetzt hat. Der Anteil derjenigen Christen, der außerhalb des Religionsunterrichts in der Bibel gelesen bzw. sich mit ihren Inhalten tatsächlich befasst hat , ist verschwindend gering, und der Anteil derjenigen, welche die Bibel einmal nüchtern und vorbehaltlos auf Glaubhaftigkeit, Logik, Schlüssigkeit und Folgerichtigkeit abgeglichen hat – dies auch unter Einbeziehung der gelebten Praxis durch den Klerus - dürfte noch geringer sein. All dies gilt auch und besonders für diejenigen, welche den sogenannten "evangelikalen" Gruppen angehören. Was wissen diese außer jenes "Wissen", das sie von ihren Lehrern und Predigern haben? Wie groß ist der Anteil von Gläubigen, die offen (!) und vorbehaltlos (!) über Bibeltexte diskutieren?

A.P.:
Aber es muss doch einen Grund geben, warum Christen glauben!

L.E.:
Dafür, dass die meisten Menschen einen Glauben haben, gibt es viele Gründe. Ein Glaube kann trösten und ermutigen, und er kann auch zur Indentifikation mit einer Bevölkerungs-gruppe beitragen. Letzeres birgt aber auch eine Gefahr (darauf kommen wir noch zurück!).
Es ist aber kaum bestreitbar, dass die jeweilige Religionszugehörigkeit meist eher durch den Geburtsort und damit eher zufällig bestimmt wird. Mittels der Landkarte zur regionalen Verteilung von Religionen kann man feststellen, dass ein großer Teil von Gläubigen einer Glaubensrichtung nur deswegen angehört, weil sie in ihre Religion quasi hineingeboren wurden und damit dem Mainstream folgen.
Nochmal: Warum wohl sind fast alle Menschen in den arabischen Regionen muslimischen Glaubens, in bestimmten Regionen in Fernost durchweg hinduistisch oder buddhistisch, und warum sind Europa und Amerika christlich geprägt? Nicht etwa eine bewusste Überlegung oder ein fundierter Entscheidungsprozess hat diesen Menschen ihren Glauben bestimmt, sondern der Geburtsort.

A.P.:
Es ist doch akzeptabel, wenn Gläubige an eine „höhere Macht“ glauben, eine Macht, die Himmel und Erde erschaffen hat - unabhängig von der Religionszugehörtigkeit?


L.E.:   
Wie ich schon sagte: Ich bin Agnostiker, deshalb habe ich kein Problem damit, wenn Menschen an eine „höhere Macht“ glauben. Genauso wenig, wie Gläubige in der Lage sind, mir Beweise für die Richtigkeit ihrer Auffassung zu bringen, bin ich in der Lage zu beweisen, dass sie falsch liegen oder meine Auffassung zweifelsfrei zu begründen. Deshalb zwinge ich niemand meine Überzeugung auf, aber ich nehme auch kein Blatt vor den Mund, begründete Zweifel an religiösen Dogmen zu benennen - egal welcher Glaubensrichtung. Und da ich nunmal im christlich geprägten Kulturkreis geboren bin und lebe, gilt dies insbesondere für die Grundlage des Christentums, nämlich die Bibel.

A.P.:
Nochmal nachgehakt: Was stört Sie daran, dass ein großer Teil der Menschheit einer Religion angehört – egal ob vom Zufall des Geburtsortes bestimmt oder nach einem
fundierten Entscheidungsprozess?

L.E.:   
Daran stört mich zunächst gar nichts – solange Gläubige dieselbe Toleranz auch mir gegenüber zeigen. Das ist leider nicht immer der Fall. Was mich stört ist der Absolutheits-anspruch, der den meisten Religionen zu eigen ist. (Fast) jede der weltweit über 9000 verschiedene Religionen sagt von sich, dass alle anderen Glaubensrichtungen falsch liegen. Die bittere Konsequenz daraus: Dafür wurden viele Menschen unterdrückt, nicht selten grausam gefoltert und hingerichtet, und dafür wurden und werden sogar Kriege geführt. Mehr noch:

Bis auf den heutigen Tag beharrt innerhalb fast aller Religionen eine mal kleinere, mal größere Fraktion von Gläubigen auf vorgefasste Überzeugungen und lehnt Erkenntnisse der Wissenschaft ab, sobald diese ihren „Heiligen Schriften“ widersprechen.  Z. B. beharren klerikale bzw. „bibeltreue“ Christen (es sind Millionen!), orthodoxe Juden und Muslime bis heute darauf, dass die Erde vor knapp 6.000 Jahren so erschaffen wurde, wie in der Bibel (im Alten Testament) dargestellt, ebenso halten sie an den Regeln fest, die innerhalb dieser Schriften dokumentiert sind und wollen sie allen anderen aufzwingen. Muss man dies alles einfach widerspruchslos hinnehmen?

A.P.:
Es ist also nicht der individuelle Glaube an sich, der Sie stört, es ist vielmehr die Intoleranz von Glaubensrichtungen und deren Anspruch, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein?


L.E.:
Das ist ein wesentlicher Punkt, aber nicht der einzige. Ich bin doch nicht der einzige denkende Mensch, der sich damit schwertut, Lehren zu befolgen, die Jahrtausende alt und überholt sind, die aus Kulturen stammen, die uns längst fremd sind und nicht in die Welt des 21. Jahrhunderts passen.

A.P.:
Können Sie auch hierfür Beispiele nennen für Lehren, die nach Ihrer Meinung nicht (mehr) in die heutige Zeit passen?


L.E.:   
Gerne! Ich beschränke mich auf wenige Beispiele aus dem Neuen (!) Testament:

1. Beispiel: Der Apostel Paulus lehrte u.a.: „… Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung …“.   Das Wort "Unterwerfen" kommt bei Paulus häufig vor, auf dieses System der Unterwürfigkeit hat sich der Adel gerne berufen. Auf diese Weise entwickelte sich das Christentum zum braven, angepassten Bürgertum; da hatten es Bestrebungen für die Demokratie lange Zeit sehr schwer.
 
2. Beispiel:   Das Recht auf Sklavenhaltung ist innerhalb der Bibel eine Selbstverständlich-keit, es wird an keiner Stelle bestritten - auch nicht im Neuen Testament. Paulus begnügt sich gegenüber den Sklavenhaltern mit der dehnbaren Generalklausel, den Sklaven zu geben, "was recht und billig ist" und diktiert den Sklaven die Regel, sie sollen ihren Herren "in allen Dingen zu Gefallen" sein, "nicht widersprechen – um Christi willen".  An keiner Stelle verlangt er die Aufhebung des Sklavenstandes.  Diese Einstellung wurde in den USA und anderen christlich geprägten Regionen als Rechtfertigung für die Sklaverei verwandt.

3. Beispiel:  Der Apostel Petrus lehrte, dass „…  die Weiber ihren Männern untertan sein …“ sollen, und für die Mitspracherechte der Frauen hat Paulus den Rat: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen“.

Ins gleiche Horn stießen danach auch andere berühmte Kirchenlehrer (z.B. Thomas von Aquin).  Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen für Verhältnisse, die innerhalb großer Teile des Christentums bis heute gelten (innerhalb des orthodoxen Judentums sowieso), z. B. die  Ablehnung der Gleichberechtigung von Frauen. Bis heute sind in der katholischen Kirche Frauen die Priesterschaft und die Wahl zu höheren kirchlichen Ämtern wie Bischof oder Kardinal verwehrt.

A.P.:
Man könnte dem ein weiteres Beispiel hinzufügen: Viele Jahrhunderte pflegte der Klerus Katastrophen, wie z.B. die Pest oder lange Dürreperioden damit zu erklären, dass dies eine „Strafe Gottes“ für die Sünden der Menschen sei!


L.E.:   
Die Erkenntnis von Immanuel Kant: „Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen" hat leider nicht nur eine harmlose Seite. Der Aphorismus „Glauben heißt nicht wissen“ lässt sich erweitern in: „Glauben heißt nicht wissen. Aber Religion heißt, nicht wissen wollen.“ Der Klerus verlangt, dass die Gläubigen gehorsam und vertrauensvoll, also ohne Zweifel und Hinterfragen, glauben sollen. Für viele Menschen ist dies im Alltag durchaus hilfreich. Aber was zunächst und durchaus positiv aufgefasst werden kann, nämlich „Vertrauensglauben“, so wie er vielen religiös geprägten Menschen (nicht nur Christen) zu eigen ist, kann im Extremfall mit der Aufhebung der Selbstverantwortung einhergehen.

A.P.:
Könnten Sie auch dies an einem Beispiel erläutern?

L.E.:   
Die Piloten derjenigen Flugzeuge, die am 11. Sept. 2001 in das World Trade Center in New York rasten und viele Menschen in den Tod stürzten, rechtfertigten ihr Handeln mit Ver-trauen in ihren Glauben und ihren Gott.  Dasselbe gilt für die Ankläger der Inquisition im Mittelalter. Auch sie alle waren gläubig, ihr jeweiliger Klerus gab ihnen recht. Deshalb hatten sie bei ihrem Tun kein schlechtes Gewissen - im Gegenteil, sie alle vertrauten ihrem Glauben und ihrem Gott!

A.P.:
Langsam! Man kann und sollte doch nicht so tun, als ob Gläubige generell zu Intoleranz, Fundamentalismus und Unfrieden neigen!


L.E.:   
Natürlich ist das nicht so. Den meisten Gläubigen jedweder Religion kann man zunächst unterstellen, dass sie keinen Unfrieden wollen.  Es sind immer nur bestimmte „Fraktionen“ innerhalb der Religionen, welche "fundamentalistisch" eingestellt sind und mit Gewalt ihren Glauben durchsetzen wollen.  Aber es kann nicht geleugnet werden, dass (fast) alle Religionen dieses Element des Unfriedens beherbergen.
Was heißt „fundamentalistisch“? Das hat etwas mit „Fundament“ zu tun!  Wer sich mit den "Fundamenten" der „Heiligen Schriften“ befasst (hier nehmen sich der Koran und die Bibel nicht viel) wird feststellen, dass sie für jeden etwas haben – für den Toleranten und Friedfertigen ebenso wie für kriegerische „Fundamentalisten“.

A.P.:
Widerspruch!   Schauen wir mal auf die Bergpredigt in der Bibel: Gibt es eine Schrift, die eine sanftere, friedvollere oder „sozialere“ Lehre verkündet als diese?


L.E.:   
Für sich genommen ist die „Bergpredigt“ ein wunderbarer Entwurf, hätte die Bezeichnung „Offenbarung“ tatsächlich verdient.  Und heute tun die Kirchen so, als sei dies der Kern der Bibel.  Aber bei drei der vier Evangelisten wird man die Bergpredigt vergeblich suchen. Sie ist allein enthalten im Evangelium nach Matthäus. Bei Markus, Lukas und Johannes kommt sie nicht einmal vor. Und die ihr heute zugesprochene Bedeutung erreicht die Bergpredigt auch nur dann und dort, wo es den Kirchen passt, nämlich immer dann, wenn die tolerante und sanftmütige Seite der Christenreligion opportun ist (das ist derzeit wohl der Fall ...).

In mittelalterlichen Zeiten spielte die Bergpredigt keine nennenswerte Rolle, hier waren andere Bibelabschnitte mehr gefragt. Auf diese - anderen - Teile der "Heiligen Schrift" gründeten sich andere kirchliche Lehren, z. B. Hexenglauben, die „Heilige Inquisition“ und Kriege.

A.P.:
Nun stoßen wir wohl auf den Kern der Sache: Es geht wohl darum, es nicht bei „Halbwahrheiten“ zu belassen, sondern die Bibel und die christliche Praxis  in ihrer Gesamtheit zu betrachten?


L.E.:   
Richtig! Die Bibel ist ein dickes Buch, und bei näherer Betrachtung findet man nicht nur diejenigen Seiten, welche die Lehren der Christenheit als sanftmütig, tolerant und „ewig modern“ erscheinen lassen.  Der Klerus befleißigt sich, jeweils allein diejenigen Passagen zu verwenden, die aktuell angesagt sind.  Genauso gehen viele Imame innerhalb der Moscheen vor. Auch ihre Lesungen zeigen dort, wo es gefragt ist, einen sanftmütigen, toleranten und modernen Islam – ungeachtet derjenigen Teile der Muslime, welche sich andere Abschnitte im Koran ansehen und kraft der dort festgehaltenen Texte und Interpretationen zu Handlungen neigen, die wir verurteilen.

A.P.:
Könnten Sie uns hierzu ein paar Beispiele aus dem Neuen, ich betone Neuen (!) Testament nennen?


L.E.:   
Da gibt es viele:
- Der Evangelist Lukas zitiert Jesus wie folgt:  „… Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass
  ich ihr König werde - bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!
…“ (Lk 19,27).
  Solch unfriedliche Botschaften wurden später zu Standardformeln, um den Zwangs-
  charakter der Mission zu rechtfertigen und mit der Lehre des „gerechten“ Krieges zu
  verbinden.
- Den Apostel Paulus scherte es wenig, dass Jesus selbst ein Jude war. In seinem ersten
  Brief an die Thessalonicher schreibt er: „Die Juden missfallen Gott und sind Feinde aller
  Menschen.
“ Johannes schlägt in die gleiche Kerbe. Von ihm ist in der Bibel festgehalten:
  „Juden sind eine Synagoge des Satans“.  Das ist Antisemitismus pur.

Die "Heilige Schrift" (auch das Neue Testament!) enthält sehr viele, ähnliche Beispiele, aber sie werden bei den Lesungen geflissentlich ausgelassen oder werden nicht hinterfragt bzw. bleiben unkommentiert. Das war im Mittelalter anders, da dienten diese und andere Bibelabschnitte zur Rechtfertigung von Judenmord und Folter von Häretikern.

A.P.:
Aber diese Passagen sind es nicht allein, die Sie zu Ihrem nicht gerade frommen Urteil über die Bibel gebracht haben!


L.E.:   
Nein, die Bibel steckt voller Widersprüche. Dies fällt nicht auf, solange bei der sonntäglichen Lesung immer nur einer der vier Evangelisten zitiert wird.  Aber legen Sie die Schilderungen von Lukas, Markus, Matthias und Johannes mal nebeneinander und vergleichen! Sie werden feststellen: Die "Evangelisten" widersprechen sich selbst in entscheidenden Momenten.  Legt man hier Maßstäbe in Sachen Schlüssigkeit und Folgerichtigkeit an, dann muss man ins Zweifeln kommen.

A.P.:
Bitte auch hierzu Beispiele!


L.E.:   
Nehmen wir zuerst eine Schlüsselszene des Neuen Testamentes: Jesus am Kreuz.  Hierüber berichtet Johannes wie folgt (Auszug):

„… Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er  ...“   Diese Passage wird häufig verlesen, und die Szene der Frauen unter dem Kreuz ist eines der beliebtesten Motive an Altären in den Kirchen.  Das Problem:
Die Schilderung des Johannes unterscheidet sich elementar von derjenigen der drei anderen Evangelisten.

Glaubt man den Evangelisten Lukas, Markus und Matthias, dann können die Mutter Jesu und ihre Schwester und Maria von Magdala und der "Jünger, den er liebte ", nicht unter dem Kreuz gewesen sein. Sie berichten übereinstimmend, dass zum Zeitpunkt der Kreuzigung diejenigen, die mit Jesus zuvor nach Jerusalem gekommen waren, „... von weitem ...“ (Mk und Mt) bzw. „... von ferne ...“ (Lk) zusahen. Nicht wenige Bibelforscher gehen deshalb davon aus, dass es sich bei Johannes um eine eitle Zufügung handelt. Aber das ficht den Klerus nicht an. Innerhalb fast jeder katholischen Kirche findet sich das Gemälde mit dem Motiv aus dem Johannesevangelium.


Die Wiedersprüche (im Sinne völlig verschiedener Schilderungen der Evangelisten) setzen sich fort bei den „Sieben letzten Worte Jesu“:  

  • Markus und Matthäus zitieren einen Verzweiflungsschrei: „Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ 
  • Laut Lukas waren die letzten Worte ein Gebet: "Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.“ 
  • Johannes aber schildert: „Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.“ 

Die Kirchen fragen nicht nach den Widersprüchen. Sie zitieren immer nur einen der Evangelisten. Widersprüche in der Bibel sind für den Klerus kein Thema.
 
Auch den Schilderungen von der „Auferstehung“ und der "Himmelfahrt" Jesu mangelt es nicht an sich widersprechenden Varianten. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, würde man diese auflisten (viele werden innerhalb des Buches näher beschrieben). Die Bibel quillt über von Ungereimtheiten – man muss sich allerdings die Mühe machen, zu vergleichen und zu hinterfragen.
 
A.P.:
Anderes Thema: Sie kritisieren in Ihrem Buch die Tendenz der Kirchen, aus der angeblich „frohen Botschaft“ eine Glaubensgemeinschaft von Sündern und Duckmäusern gemacht zu haben!


L.E.:   
Ja, auch hier ein praktisches Beispiel:  Ich spaziere oft an einem „Kreuzweg“ vorbei.  Unter den bildlichen Illustrationen der 14 Stationen lese ich (Beispiele):
-  unter der Abbildung zur ersten Station („Jesus wird zum Tode verurteilt“): „Von Dir bin ich
   verurteilt“
!
-  Unter der Abbildung des unter der Last des Kreuzes zusammengebrochenen Jesus steht:
   „So drückt mich Deine Sündenlast“ oder „Dein Rückfall lastet schwer auf mir“;
-  Zur zehnten Station („Jesus wird seiner Kleider beraubt“) wird mir klargemacht „Auch
   diese Schmach tat’s Du mir an
“.

Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Praxis der christlichen Katechese:  Der Mensch ist von Natur aus schlecht,  ist schon bei der Geburt mit der „Erbsünde“ belastet, darüber hinaus gibt es ein großes Problem mit der „Lust“ (hier hat der Teufel dem lieben Gott offensichtlich ins Handwerk gepfuscht!) usw. usw.  Die Psychologen der Kirchen haben gut gewusst, wie man die Schäfchen mit Schuldkomplexen belädt und gebückt in der Herde behält!

A.P.:
Gehen Sie auf diese Facette des Glaubens in Ihrem Buch näher ein?


L.E.:   
Ja, dem ist ein ganzes Kapitel mit mehreren Abschnitten gewidmet, denn es ist ein wesentlicher Aspekt des kirchlichen Lebens. Lesen Sie selbst nach!

A.P.:
Sie sind offenbar motiviert, sich weiter mit dem Thema zu befassen. Haben Sie schon etwas Konkretes in Planung? Wird es ein weiteres Buch geben?

 
L.E.:   
Ja, aber jetzt wird es ein wenig kompliziert: 

Da ist bereits ein Buch im Entstehen. Der Arbeitstitel lautet: „Hüter des Glaubens - Von der Friedfertigkeit des Christentums". Es knüpft an das vorliegende Werk an, und es räumt auf mit dem von der Christenheit gerne gepflegten Mythos seiner Friedfertigkeit. Dies betrifft nicht nur die Vergangenheit, es betrifft auch die Gegenwart, und es ergänzt insoweit das bereits vorliegende Werk. Ich denke, es wird noch spannender!  Aber ich habe die Arbeiten zu diesem Buch unterbrochen:
 

Am 26. September 2021 waren Bundestagswahlen. Als politisch engagierter Mensch liegt mir das Schicksal der derjenigen Partei am Herzen, welche in ihrer langen Geschichte die Worte "Solidarität", "Toleranz" und "soziale Gerechtigkeit" großgeschrieben hat - und sich in den 1930er Jahren als eine der letzten gegen die Nazidiktatur wehrte. 

Seit 2002 ging die SPD von Bundestagswahl zu Bundestagswahl und dazwischen auch bei Landtagswahlen "den Bach runter" (und so lautete dann auch der Arbeitstitel),  erreichte zur Bundestagswahl 2017 nur noch 20,5 %. Zu Beginn des Wahljahres musste die SPD befürchten,  dass es 2021 nochmal weniger werden. Dies traf nicht zu, die zwei blieb vorne, die SPD erreichte einen Wähleranteil von über 25 Prozent  - und jubelte, weil sie ihre seit der Jahrtausendwende fast kontinuierliche Talfahrt scheinbar beendete und nun vor der Union stand. Aber sie verdankt ihren Erfolg nicht einem tatsächlich guten Wahlergebnis; sie ist stärkste Macht im Bundestag, weil die Union katastrophale Verluste erlitt und die Grünen nach ihrem zwischenzeitlichen Höhenflug wieder zurückfielen. 

 

Wer sich die Statistiken seit 1949 ansieht, stellt auch bei der SPD fest: Sie steht nunmehr wesentlich schlechter da als bis 1998, schnitt seit 2018 in nicht weniger als fünf Bundes-ländern nur noch einstellig oder kaum besser ab. Die "Ausreißer" nach oben (Mecklenburg-Vorpommern 2021 und Saarland 2022 ändern nichts an der Tendenz im Ganzen. Bei der CDU sieht es fast genauso dramatisch aus. Noch 2013 erreichte sie über 41 Prozent, 1976 waren es sogar fast 49 Prozent,  2021 waren es noch 24. 

Aus den „Volksparteien“ SPD und CDU sind Vereinigungen geworden, die sich bemühen müssen, die zwei vor dem Komma zu behalten. Und beim Blick auf die Ergebnisse in den Ländern (z. B. in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin) stellt man fest: auch die Union muss sich nicht selten mit Platz drei und weniger begnügen. 

 

Dafür, dass sich die Volksparteien inzwischen mit deutlich geringerem Zuspruch zufriedengeben müssen, gibt es viele Ursachen, und die Gewichtung betreffend kann man durchaus darüber streiten. Nicht zu bestreiten ist das Ergebnis. Nun stellt sich die Frage:

Welches sind die Ursachen für diesen Abstieg,  was haben die Volksparteien versäumt oder falsch gemacht? Das lässt sich nicht mit wenigen Sätzen beantworten;  es sind sehr viele Facetten.  Dies beschreibe ich und begründe dort, warum sich die Volksparteien ihr Schicksal zu großen Teilen selbst zuzuschreiben haben.


A.P:
Warum haben Sie den Arbeitstitel „Den Bach runter“ nicht als Buchtitel verwendet?

L.E.:
So heißt bereits ein anderes Buch von einem anderen Autor mit anderem Inhalt. Nun heißt es - in Anlehnung an das tiefere Niveau, auf das sich die beiden deutschen Volksparteien begeben mussten "lower level".

A.P.:
Wo sehen Sie - mal ganz kurz gefasst - die Ursachen für den Abstieg der Volksparteien auf das nunmehrige Niveau mit einer 2 vorne?
 

L.E.:
Bei der CDU hatten sich ihre Mitglieder und Wähler bis 2021 eingekuschelt bei „Mutti“ (Angela Merkel), erwarteten „Sicherheit“ in Form von wenig Veränderung nach innen wie außen, Stabilität und Wohlstand. Damit stellte sich der Erfolg viele Jahre lang quasi von alleine ein. Der Versuch, mit Laschet einen Kandidaten zu installieren, der einfach nur die Politik Merkels fortführen wird, ging schief.
Bei der SPD reichen die Ursachen zurück bis zur Kanzlerschaft von Helmut Schmidt. Sein Festhalten an der Atomenergie und zum "Nato-Doppelbeschluss" entfremdete das bis dahin überwiegend zur Sozialdemokratie gehörende Lager der Friedensbewegung und der Umweltschützer. Dies war die Zeit der Gründung der Partei "Bündnis 90 / Die Grünen". Der spätere Kanzler Schröder sorgte dann (nicht allein mit der "Agenda 2010") dafür, dass der zuvor noch wahrnehmbare linke Parteiflügel entscheidend dezimiert wurde.

Beide Volksparteien, CDU und SPD, hatten sich ab der 1980er Jahre in den wesentlichen Fragen sehr aneinander angenähert, taten sich zu lange schwer mit der Erkenntnis, dass die Menschen zunehmend Sorgen um die Zukunft der sozialen Sicherheit haben, dass es immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse gibt, die Schere Arm/Reich immer weiter auseinanderklafft, und dass der Klimawandel Taten erfordert. Die Bürger wollten Taten sehen, eine andere, zukunftsgerichtete Politik, sie hatten sich zu lange allein Floskeln anhören müssen.

A.P.:
Soviel zur Bestandsbeschreibung. Aber hält das Buch auch Vorschläge parat, wie die Volksparteien wieder an die alte Größe anknüpfen können?

L.E.:
Ja, durchaus, das ist gar nicht so schwierig wie es uns weis gemacht wird. Hier nur zwei Punkte:

- Wir müssen zunächst einmal vom Fetisch "Wachstum" weg. Ein System, das allein bei stetig wachsender Wirtschaft funktioniert, d. h. stetig wachsender Verbrauch von Ressourcen und Umwelt, zerstört nicht nur den Planeten, es zerstört auch uns. Wir sollten uns auf eine Wirtschaftsform einrichten, die sich andere Ziele setzt als nur "Wirtschafts-wachstum", das Wohlstand und Glück nicht allein im steigenden Konsum sieht und die Schere Arm/Reich nicht weiter auseinaderklaffen lässt .

- Wir brauchen mehr Demokratie innerhalb der Weltwirtschaft. Seit Jahrzehnten bestimmen immer mehr anonyme, jeder Kontrolle enthobene globale Gremien, die von der Finanz-wirtschaft und damit einer Handvoll von Milliardären maßgeblich beeinflusst sind, das weltwirtschaftliche Geschehen. Längst schon sind die von uns gewählten Volksvertreter diesen ausgeliefert, längst schon werden sie durch diese majorisiert - teils durch Drohungen (Verlagerung der Arbeitsplätze in andere Erdregionen), teils durch Lobbying und Partei-"spenden".

A.P.:
Auf den ersten Blick ist es ein völlig anderes Thema, auf den zweiten Blick stellt man sicher einige Parallelen zum Buch "Gläubig oder klar denken?" fest?
 

L.E.:   
Ja, da gibt es nicht wenige Parallelen.  So, wie die Kirchen sich es wesentlich auch selbst zuzuschreiben haben, dass ihnen die Anhängerschaft verloren geht, so haben auch die Volksparteien ein gehöriges Maß Eigenschuld für ihren Abwärtstrend.  Ähnlich wie Christen bei der Lektüre des Buches "Gläubig oder klar denken?" müssen auch manche der gestandenen Anhänger und Mitglieder der Volksparteien tapfer sein und sich Fakten und Meinungen ansehen, die manches in einem anderen, neuen Licht betrachten.

A.P.:
Erscheint ja alles sehr interessant, aber wie willst Du - das Marketing für Deine Bücher betreffend - strategisch vorgehen?

L.E.:  
Erwartungsgemäß haben die etablierten Verlage abgesagt. Ich gehe deshalb wie folgt vor: Ich erarbeite die Bücher selbständig bis zur Druckreife und pflege sie selbständig in die Software des Verlages kdp amazon ein, das kostet mich allein meine Arbeit. Die Hausdruckereien von Amazon drucken "on demand".
 
Für mich selbst ist es vor allem wichtig, dass mir etwas von der Seele schreibe. Es bringt mir selbst sehr viel, das Thema aufzuarbeiten und es dem "Rest der Welt" als Lektüre anzubieten.  Wenn es vom "Rest der Welt" ignoriert wird,  wenn höchstens ein paar Freunde Interesse daran finden (vielleicht allein mir zuliebe), dann nehme ich es gerne hin - am Tag der Fertigstellung und Herausgabe wird das Buch seinen Hauptzweck schon erfüllt haben.  Wenn ich einen größeren Leserkreis erreiche, umso schöner!

A.P.:
Noch weiter voraus gedacht: Kommt danach noch mehr? 
 

L.E.:
Im Kopf stehen noch weitere Werke.  Im Grunde dreht es sich immer um dieselben Fragen - es geht darum, gesellschaftlich relevante Fragmente der Politik zu hinterfragen, sie auf Folgerichtigkeit und Logik zu analysieren.  Dabei geht es dann an´s "Eingemachte":  zu Fragen der Tagespolitik, z. B. darum, warum Einkommen aus Arbeit wesentlich höher besteuert wird als Einkommen aus Kapital, oder warum Konzerne, die in Mitteleuropa viele Millionen Gewinne erwirtschaften, hier nur minimale Steuern zahlen (auch nach den Beschlüssen der G7 und G20), oder wieso die vierte Gewalt im Staate, die Medien, längst nicht mehr Journalismus im Sinne der Menschen produzieren, warum die Qualität ihrer Arbeit sehr gelitten hat.  Ich möchte zu diesen und mehr Fragen innerhalb dieser website einen Blog einrichten, in dem man sich austauschen kann.  Wir werden sehen - es kommt ja auch darauf an, ob die Motivation und nicht zuletzt die Gesundheit (auch die meiner Familie) dies alles unterstützen.

A.P.:
Zu Ihnen ganz persönlich: Was im Leben ist Ihnen wichtig – neben Ihrer Gesundheit und der Ihrer Familie –, was bedeutet Ihnen etwas?
 

L.E.:   
Wirklich wichtig ist mir persönlich - wie wohl den meisten Menschen - ein intaktes Leben in der Familie, ein vertrautes Zuhause. Ich bin jeden Tag sehr dankbar darum, dass es mir geschenkt wurde und wird.
Außerhalb der Familie ist es mir wichtig, einen kleinen Teil beizutragen am Werden und Wachsen derjenigen Gemeinschaft, in der ich lebe, die um mich herum ist.  Dies zeige ich durch ehrenamtliches Engagement in Vereinen und auch durch Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen;  dabei bekenne ich mich auch zu unbequemen Beiträgen in Mitglieder- und Delegiertenversammlungen und Verlautbarungen in der örtlichen Presse,  z. B. in Leserbriefen.  Es liegt mir daran, „Flagge“ zu zeigen – nicht aus Eitelkeit sondern der Sache wegen!  Und es bedeutet mir viel, auch jetzt noch, in den siebziger Lebensjahren, Kraft und Motivation, nicht zuletzt auch die Möglichkeiten dazu nicht verloren zu haben, zu reisen, zu lesen und zu schreiben, in einem guten Chor mitsingen zu dürfen,  einige Mal in der Woche an meinem Klavier zu sitzen und mich körperlich fit zu fühlen.  Das ist eigentlich mehr, als man mit 75 erwarten kann …

A.P.:
Herr Ending, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche, offene Gespräch!


L.E.:  
Ich danke Ihnen - und den Lesern für Ihr Interesse!